Es ist nicht ganz einfach die bevorstehende Geburt bei einer Meerschweinchensau richtig zu deuten, da es wenige, äußerlich sichtbare Anzeichen gibt. Zum einen bauen Meerschweinchen kein Nest, denn sie gebären nestflüchtende Jungtiere. Zum anderen erscheinen die werdenden Mütter auch noch kurz vor der Geburt sehr ruhig und zeigen kaum Zeichen nervösen Gebarens.
Die Geburt findet unabhängig von der Tageszeit statt. Jedoch berichten Züchter und Meerschweinchenhalter gehäuft von nächtlichen Geburten und solchen, in den frühen Morgenstunden. Meerschweinchen, besonders die Erstgebärenden, bevorzugen außerdem ruhige Orte und reagieren teilweise empfindlich auf Störungen in ihrer Umgebung.
Der wohl verlässlichste Hinweis auf das Bevorstehen der Geburt, ist die so genannte "Daumenprobe". Wie bereits angesprochen, weitet sich die Schambeinfuge im Verlauf der Trächtigkeit dahingehend, daß den relativ großen Feten die Passage durch den Geburtskanal ermöglicht wird.

1.Gallenblase 2.Dünndarm 3.Fetus 4.geöffnete Schambeinfuge 5.Fetus 6.Fetus 7.Leber
Frühestens 48 Stunden vor Geburtsbeginn ist diese Fuge, im Zuge der Geburtsvorbereitung, maximalst auf 1,5 - 2 cm geweitet. Um dies festzustellen, tastet man vorsichtig die Region um die Schambeinfuge ab. Paßt der Finger (je nach Größe und Geschlecht der Person nimmt man den Daumen als Maßstab, oder rechnet 1-2 schmale Finger) in den erfühlten Spalt hinein, steht die Geburt kurz bevor. Weiterhin wird eine passive Beweglichkeit des Beckens durch die Lockerung der Hüftbeine in den Kreuzhüftbeingelenken erreicht. Einige Säue leeren ihr Rektum bevor sie gebären, so daß man - tägliche Stallreinigung vorausgesetzt - anhand der Menge der >Köttel< ebenfalls eine Prognose über das Herannahen der Geburt stellen könnte. Aus anderen Beobachtungen geht hervor, daß manche Säue einige Stunden vor der Geburt phlegmatischer werden und auch ihr Appetit reduziert erscheint. Diese Zeichen sind aber keineswegs verläßlich und besonders bei mangelnder Nahrungsaufnahme bzw. -verweigerung muß an eine ernsthafte Beeinträchtigung der Gesundheit von Mutter und Feten, wie etwa die Trächtigkeitstoxikose, gedacht werden. In der Regel verlaufen Geburten bei Meerschweinchen schnell, unkompliziert und blutarm. Ungefähr 30 Minuten, je nach Größe und Anzahl der Feten, sind Standart, wobei die Spanne zwischen den Geburten der einzelnen Welpen im Schnitt 5 Minuten beträgt. Die meisten Säue bleiben während der Geburt ruhig, einige geben während der ersten Kontraktionen einen "seufzenden", "klagenden" Laut von sich. Im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren gebärt das Meerschweinchen in einer hockenden Position, wobei die Hinterbeine seitlich abgespreizt auf dem Boden stehen. Passiert der erste Fötus den Geburtskanal, streckt die Sau den Kopf in Richtung ihrer Genitalien und zieht den Welpen, der mit dem Kopf voran geboren wird, zwischen ihren Beinen hindurch nach vorn. Ihre Schneidezähne umklammern bei diesem Vorgang die Schneidezähne des Welpen, so daß sie diesen problemlos zu ihrem Kopf ziehen kann, um sofort die Eihaut zu entfernen. Das ist sehr wichtig, damit das Junge atmen kann.

neugeboren und noch nicht trocken geleckt, sind diese Jungtiere
Als nächstes beißt die Sau die Nabelschnur durch und leckt das Neugeborene sauber. Manchmal werden die Jungtiere zu schnell hintereinander geboren, weshalb die Mutter mit dem Öffnen der Eihäute und dem Säubern der vorab geborenen Welpen nicht nachkommt und einige Tiere ersticken. Das geschieht meist bei unerfahrenen Erstgebärenden, oder aber bei großen Würfen. In diesem Fall kann und sollte man, sofern man bei der Geburt anwesend ist, die Eihaut mit dem Fingernagel anritzen und vorsichtig abstreifen, um dem Jungtier das Atmen zu ermöglichen.

1.offene Augen 2.Plazenta 3.Teil der Gebärmutterwand 4./5.Blutgefäße der Nabelschnur 6.volständiges Fell Meerschweinchenwelpen sind Nestflüchter, sie kommen vollbehaart und mit geöffneten Augen auf die Welt
Sind alle Welpen geboren, frisst die Sau Eihäute und Plazenten auf. Das ist zum einen wichtig, da diese das Hormon Oxytocin enthalten, welches die Laktation anregt. Zum anderen sind Meerschweinchen Fluchttiere, die in freier Natur keinen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort hinterlassen dürfen, um vor Freßfeinden geschützt zu sein. Manche Mütter hinterlassen nicht den kleinsten Beweis für eine Geburt und sind fast übereifrig beim Fressen der Eihäute, was oft an den angeknabberten Ohren mancher Jungtiere zu sehen ist.
Gelegentlich werden auch tote Babies angefressen. Besonders bei großen Würfen, mit einer Anzahl von > 5 Welpen, sind 1-2 Totgeburten eher die Regel, als eine Ausnahme.
Nach erfolgreicher Geburt fängt die Sau schnell wieder an zu Fressen und ihrem gewohnten Alltag nachzugehen, wobei sie sich fürsorglich um ihren Nachwuchs kümmert. Die Welpen haben, proportional zur Größe des Wurfes, ein relatives Geburtsgewicht von 60-80 g, wobei sie in den ersten Tagen ihres Lebens oft wenige Gramm Gewicht verlieren, aber danach schnell zunehmen. Sie werden 3-4 Wochen von ihrer Mutter gesäugt, nehmen aber kurz nach der Geburt auch schon selbständig Futter zu sich.

einen Tag nach der Geburt fressen die kleinen Meerschweinchen schon selbständig, werden aber dennoch für geraume Zeit von der Mutter gesäugt
Innerhalb von 10-12 Tagen bilden sich die Beckenveränderungen bei der Sau zurück. 1,5 - 13 Stunden post partum (42) ist die Sau wieder brünstig und könnte erneut trächtig werden, was ihrer Gesundheit aber auf Dauer abträglich wäre.

kleine Meerschweinchenfamilie

Meerschweinchenmama mit zwei gesunden Jungtieren

Jungtier wird von der Mutter gesäugt

Meerschweinchenmama mit quirligem Sechserpack