Bonsai

Die Geschwister Bonsai und Liliput wurden am 25. November 2005 geboren. Die Mutter der beiden stammt aus einer privaten Massenvermehrung und fand nach der Konfiszierung aller Tiere durch das Veterinäramt in der
Notstation "Arme Schweine" Baesweiler ein neues Zuhause. Inwieweit die Elterntiere der Geschwister miteinander verwandt sind, ist bis heute unklar.
Jedoch kann man davon ausgehen, daß es sich um eine, bereits über mehrere Generationen bestehende, Inzucht handelt. Sowohl Bonsai, als auch ihr Bruder Liliput sind kleinwüchsig, was ein deutliches Zeichen von Inzuchtdepression ist. Beide Tiere zeigten von Beginn an Anzeichen eines geschwächten Immunsystems. Sie waren von einem hartnäckigen Hautpilz befallen, der sich erst nach wochenlanger Behandlung mit Antimykotika und der zusätzlichen Gabe von Echinacea D6 eindämmen ließ. Über eventuelle Organschäden läßt sich nur spekulieren.

Am Rosenmontag 2006 haben wir Bonsai und Liliput bei uns aufgenommen, um sie im Raum Bonn in liebe Hände zu vermitteln. Beide wogen ungefähr 250 g, was nicht im mindesten altersgemäß war.
Zu dieser Zeit sind wir außerdem davon ausgegangen, daß es sich bei beiden Meerschweinchen um männliche Tiere handelt. Sowohl Andrea von den "Armen Schweinen", als auch mein Mann David und ich, haben wochenlang nicht erkannt, daß Bonsai eine kleine Sau ist.
Uns ist bis heute rätselhaft, wie das passieren konnte, zumal wir die Geschlechter häufig kontrolliert haben. Niemand ist perfekt und dieser Fehler zeigt umso deutlicher auf, wie schwierig es für ungeübte (und auch für geübte) Augen doch oft sein kann, die Geschlechter voneinander zu unterscheiden. Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren und gegebenenfalls die Meinung eines Züchters, Tierarztes oder einer anderen meerschweinchenkundigen Person einzuholen.

Nachdem wir nun festgestellt hatten, daß wir statt zwei unkastrierten Böckchen (für die notwendige Kastration waren sie zu leicht und immungeschwächt) ein männliches und ein weibliches Tier beisammen sitzen hatten, haben wir beide umgehend getrennt.
Der darauf folgende Besuch beim Tierarzt hat unsere Ahnung dann bestätigt. Bonsai befand sich bereits im zweiten Drittel einer Trächtigkeit, kurz vor dem Zeitpunkt, wo die Feten beginnen, sich im Mutterleib zu bewegen.
Zum Glück hatte sich der Gesundheitszustand der beiden Geschwister zu diesem Zeitpunkt bereits stabilisiert. Liliput hatte sogar soweit an Gewicht zugelegt, daß er endlich kastriert werden konnte. Der Termin für die OP war am 19.Mai 2006. Er hat sie sehr gut überstanden.

Liliput nach der OP

Liliput sitzt kurz nach der Kastration aus Hygienegründen auf Zewatüchern

Die Sorge um Bonsai war dagegen größer, da beim zweiten Kontrollbesuch in der Tierarztpraxis keine Bewegungen der Feten festgestellt werden konnten. Es bestand der Verdacht, daß sie im Mutterleib verstorben waren.
Ist dies der Fall, verwesen die Feten und vergiften langsam das Muttertier. Wird dies nicht erkannt und eine Geburt umgehend medikamentös eingeleitet, steht am Ende der Tod.

Um Gewissheit zu bekommen, haben wir Bonsai umgehend in der Bonner Tierklinik untersuchen lassen, wo ein Ultraschall bei ihr gemacht wurde. Der Stressfaktor ist bei dieser Untersuchung (die Sau wird am Bauch rasiert und auf dem Rücken liegend Minuten lang geschallt) enorm hoch, stand in Bonsais Fall aber in keiner Relation zur Verdachtsdiagnose.
Gott sei Dank haben die Ärzte schnell Entwarnung gegeben, da sie im Ultraschall zwei putzmuntere Feten erkennen konnten.

Um die Fortschritte der Trächtigkeit zu dokumentieren haben wir Bonsai vom Tage der Trächtigkeitsdiagnose an täglich gewogen und ihr Gewicht tabellarisch festgehalten. Innerhalb eines Monats, bis zur Geburt, stieg ihr Gewicht von 438 g bis maximal 601 g an.

Diagramm Gewichtsanstieg

Bonsais Gewichtszunahme während der Trächtigkeit bis einen Tag vor der Geburt

Zehn Tage vor der Geburt begann die Schambeinfuge sich langsam zu öffnen. Bonsai war zu diesem Zeitpunkt schon kugelrund und konnte kaum noch richtig laufen.
Um ihr den Geburtsvorgang längerfristig zu erleichtern, haben wir ihr, als die Fuge bereits anderthalb Finger geöffnet war, täglich 3 x 5 Globuli Pulsatilla D6, in je einem Stück Gurke, verabreicht.

Bonsai hochträchtig

Bonsai kurz vor der Geburt

Am 3. Juni 2006, irgendwann zwischen 1.oo Uhr und 7.oo Uhr morgens haben bei Bonsai die Wehen eingesetzt.
Sie hat die Geburt ihrer beiden Babies bravourös gemeistert, denn als wir morgens nach ihr gesehen haben, wuselten bereits zwei kleine Meerschweinchen durch den Käfig. Es sind zwei Säue, kerngesund und putzmunter. Wir haben sie Anju und Priya genannt. Anju kam mit einem Gewicht von 75 g auf die Welt, ihre Schwester Priya wog 54 g. Bonsai hatte nach der Geburt noch ein Gewicht von 438 g.

Priya

Priya

Anju

Anju

Bonsai beim Säugen

Bonsai beim Säugen von Anju und Priya

Familie beim Kuscheln

Anju und Priya kuscheln sich eng an Bonsai dran

Babies beim Spielen

Priya und Anju turnen übermütig auf Bonsai herum

Leider nimmt die Sorge um Bonsais Gesundheitszustand immer noch kein Ende.
Ungefähr eine Woche nach der Geburt begann Bonsai langsam an Gewicht zu verlieren, was wir zuerst auf das ziemlich resolute Trinkverhalten von Priya und Anju geschoben haben. Man konnte förmlich annehmen, sie wollten ihre Mama leer trinken...
Selbst die besten Leckereien und das duftendste Heu konnten Bonsai nicht wirklich dazu animieren, ausreichend zu fressen, um genug Energiereserven für sich und die Babies zu haben. Stattdessen zog sie sich immer mehr in ihr Häuschen zurück und war auch bei den täglichen Freiläufen ziemlich ermattet.
Am 19. Juni fiel uns dann auf, daß sie ihren Kopf schief hielt und auch beim Laufen und Putzen öfter auf die linke Seite fiel. Sie hatte sichtliche Koordinationschwierigkeiten und wirkte in all ihren Bewegungen verlangsamt. Das Fressen hatte sie zu diesem Zeitpunkt fast komplett eingestellt.

Der umgehende Besuch bei der Tierärztin bestätigte unseren Verdacht, daß es sich, aufgrund des negativen Energiehaushaltes, infolge des Säugens und der unzureichenden Nahrungszufuhr, um eine post partum Toxikose handelte. Auch eine Mittelohrentzündung konnte nicht ganz ausgeschlossen werden, ebenso, wie ein kleiner Schlaganfall.
Um den Energiehaushalt zu stabilisieren, bekam Bonsai am 20.6. und am 21.6. je eine Infusion mit Glukoselösung. Zusätzlich erhält sie nun täglich Vitacombex N für Nager, C-Phos Mineraldrink für Tiere (Virbac Switzerland AG), Retardon Suspension (ein Sulfonamid für den Fall einer Otitis media), Cerebrum (homöopathisches Mittel zur Unterstützung und Regeneration der Hirnfunktion), Crab Apple und Elm, Bird Bene Bac und vier mal täglich eine Mahlzeit mit Critical Care. Dazu Heu, grünen Hafer, Haferflocken, Erbsenflocken und frische Salate ad libidum.

Glücklicherweise ist Bonsai kein Zappelschweinchen, das sich mit Händen und Füßen gegen die Fütterung via Spritze wehrt. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, daß sie das "Gefüttert werden" richtig genießt. Allerdings ist sie ein kleines Sabberschwein und schüttelt sich nach der Fütterung genugtuend, so daß ich das Critical Care oft in Haaren und Gesicht habe.
Zwar hat Bonsai bis heute nur 2 Gramm zugenommen und wiegt nun 420 g, aber man kann ihr deutlich ansehen, daß sie langsam wieder zu Kräften kommt.

Bonsai wird gepäppelt

Bonsai nimmt ihr Critical Care freiwillig aus der Spritze

Bonsai wird gepäppelt

Bonsai ist ein kleines Sabberschwein

Anju und Priya bekommen von der Krankheit ihrer Mutter nichts mit.
Gleich nach der entgültigen Diagnose durch die Tierärztin haben wir sie von der Mama getrennt. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden 2 Wochen und 3 Tage alt und wogen 110 g und 140 g. Wir haben sie in den Stall von Papa Lili gesetzt, der ja noch bis Ende Juni seine Kastrationsfrist absitzen muß. Unsere größte Sorge war, daß die Kleinen noch nicht ohne Muttermilch leben können, aber sie haben uns schnell bewiesen, daß sie sich liebend gern auch an Heu, Haferflocken und Co. verköstigen. Jeden Tag nehmen sie ein paar Gramm zu und Papa Lili kümmert sich liebevoll um seine zwei Mädels.

Anju

Anju ist schon richtig groß geworden...

Anju

...und ein neugieriges Kleinschwein

Priya

Priya ist noch etwas schüchtern...

Priya

...und ähnelt vom Wesen ihrer Mama Bonsai

Nun muß nur noch unsere Bonsai wieder gesund werden, damit wir die kleine Familie endlich zusammenführen können. Dafür benötigen wir viele Daumendrücker, denn mit einer Toxikose ist einfach nicht zu spaßen und es ist ein Fakt, daß diese Erkrankung oft tödlich endet.

Bonsais Futterplan

morgens
2TL Critical Care
1/4 TL Bird Bene Bac
10 Tr. Vitacombex
je 3 Tr. Crab Apple und Elm
0,5 ml C-Phos

mittags
2TL Critical Care
1 Einheit Retardon
10 Tr. Vitacombex
je 3 Tr. Crab Apple und Elm

nachmittags
2TL Critical Care
1/4 TL Bird Bene Bac
10 Tr. Vitacombex
0,5 ml Cerebrum

abends
2TL Critical Care
1/4 TL Bird Bene Bac
10 Tr. Vitacombex
je 3 Tr. Crab Apple und Elm

Stand: 23. Juni 2006

Es gibt Neuigkeiten

Bonsai hat sich glücklicherweise wieder einigermaßen von ihrer schweren Erkrankung erholt.
Vom 21.6 - 27. 6. haben wir sie mit der oben gelisten Futtermischung, nebst zugehörigen Medikamenten, gepäppelt.
Das Antibiotikum haben wir am 27. 6., nach sieben Einnahmetagen, abgesetzt. Gleiches gilt für das Cerebrum.
C-Phos und Vitamine erhielt sie zuerst noch täglich und nun alle zwei Tage. Die Futtermenge beim Päppeln haben wir alle 2 Tage um eine Mahlzeit reduziert. Mittlerweile hält Bonsai ein Gewicht von ca. 440 g.

Leider schwächelt sie immer mal wieder etwas und macht uns weiterhin Sorgen. Sie läuft ungern größere Strecken (z.B. im Auslauf) und liegt statt dessen viel in ihren Lieblingsecken um zu dösen. Oft wirkt sie ein wenig orientierungslos und verwirrt. Erschwerend kommt hinzu, daß sie vor einigen Tagen einen Kranpfanfall hatte, der ungefähr 20 Sekunden anhielt. Dabei versteifte sich ihr ganzer Körper und sie hielt den Kopf verdreht. Die Pupillen waren leicht getrübt und zitterig. Sobald der Krampf vorbei war, verhielt sie sich wieder völlig normal, lief zum Futternapf und fraß.
Wir beobachten sie täglich und versuchen, jegliche Auffälligkeit sofort zu registrieren.

Auch Baby Priya hat momentan mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Beide Ohren, sowie Teile vom Gesicht und dem Nacken sind von einem hartnäckicken Hautpilz befallen, der sich schnell auszubreiten scheint. Die Behandlung mit Mycofug Lösung seit dem 26. 6. zeigt bis dato wenig Erfolg. Da sich der Behandlungszeitraum über mindestens 3 Wochen erstrecken muß, hoffen wir noch auf eine baldige Besserung.
Priya ist, im Gegensatz zu Schwester Anju, weiterhin ein mickriges Schweinchen. Sie wiegt momentan 150 g und ist für ihre 4,5 Wochen eindeutig zu leicht. Zum Glück ist sie agil und frißt gut und macht an und für sich auch keinen kränklichen Eindruck, wie es bei ihrer Mutter Bonsai der Fall ist.
Hoffen wir weiter das Beste...

Stand: 3. Juli 2006

News, News, News...

Es gibt endlich gute Neuigkeiten von unserer kleinen Familie.
Bonsai und Priya haben sich von ihren Erkrankungen erholt und sind beide wieder fit. Bonsai hat seit der Geburt der beiden Mädels 90 g zugenommen und wiegt mittlerweile fast 500 g. Das ist zwar nach wie vor viel zu wenig, aber immerhin ist es ein neuer Rekord für sie. Mittlerweile ist Bonni vollkommen genesen und verhält sich wie ein normales, quirliges Meerschweinchen. Sie frißt gut und zeigt besondere Ausdauer beim Freilauf und beim Schabernack treiben *grins*.
Auch Priya ist wieder gesund. Nach anfänglichen Problemen mit der Mycofug Lösung hat sie den hartnäckigen Hautpilz nun endlich überwunden. Es hat 4,5 Wochen gedauert, bis alle wunden Stellen wieder abgeheilt waren, aber nun sieht man nichts mehr von den schorfigen Läsionen.

Gestern sind unsere vier Familienschweinchen in ihr neues Zuhause gezogen. Da wir uns entschieden haben, sie bei uns zu behalten, haben wir ihnen einen gemütlichen Eigenbau gebastelt, den sie sofort in Beschlag genommen haben. Liliput, Bonsai, Priya und Anju scheinen durchaus zufrieden zu sein mit ihrer neuen Behausung. Sie popcornen fast den ganzen Tag, wenn sie sich nicht gerade mal unter der Etage zusammengekuschelt haben (...oder fressen *hihi*).
Allerdings sind die Vier wahre Ausbrecherkönige, so daß wir den Bau mit einem Fliegennetz sichern mußten *grummel*.
Hoffen wir mal, das die Minischweinchen weiterhin gesund bleiben und sich immer so fröhlich und vergnügt zeigen.

Stand: 8. August 2006

Welcome home

Kleinfamilie in neuem Zuhause

Neues von den Kleinschweinen

Am 15. September 2006 ist leider unsere kleine Priya aus ungeklärten Gründen verstorben. Sie hat bis zuletzt keine Krankheitsanzeichen gezeigt und lag eines Abends einfach tot im Käfig. Nicht nur wir, sondern vor allem ihre Schwester Anju hat sehr um Priyaschwein getrauert.

Mittlerweile haben sich Bonsai und Anju zu wahren Wonneproppen entwickelt. Sie wiegen beide knapp 600 g, während Papa Liliput gemütlich bei 540 g rumdümpelt.

Stand: 5. Dezember 2006

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